Ziel war es, zu klären, welche Unterstützungsleistungen junge Menschen brauchen, um von Schule in Ausbildung und Beruf zu starten und so ein eigenständiges Leben zu führen.
Engagement muss sich lohnen
Zur Begrüßung betonte Stefan Bauer, Vorsitzender der KJS Bayern, dass kein junger Mensch auf dem Weg ins Berufsleben allein gelassen werden dürfe. Zusammenarbeit, Teilhabe sowie Bildungs- und Chancengleichheit seien entscheidend. Obwohl das Lebensgefühl vieler optimistisch ist, liege die Situation weiter auseinander als in der Vergangenheit. Kriegsangst und gesellschaftliche Umbrüche prägen das Umfeld; besonders Jugendliche mit Migrationshintergrund fragen sich, ob sie bleiben dürfen. Engagement müsse sich lohnen, so Bauer.
Moderator Michael Kroll, Geschäftsführer der KJS Bayern, ergänzte: Zuhören, Vertrauen und Perspektiven seien die zentralen Grundlagen, da sozial benachteiligte Jugendliche weniger gute Chancen hätten. Gunther Kunze, Fachbereichsleiter Jugend und Familie der Stadt Würzburg, hob die Verantwortung hervor, junge Menschen durch den Übergang von Schule zu Ausbildung zu begleiten. Die berufliche Integration sei zugleich soziale Integration. Mut machen statt Angst verbreiten sei wichtig. Offenheit für Impulse und Kritik bleibe bestehen.
Alltägliche Hürden
Vier Berichte junger Menschen spiegelten die alltäglichen Hürden wider. Simal kam aus der Türkei als Au-pair, spricht gut Deutsch, leistet Lernhilfe und ist als Dolmetscherin aktiv. Bürokratie bleibe jedoch eine Barriere. Jasmin befindet sich in einer Reha-Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau. Sie erhält Lernunterstützung und hofft auf eine Ausbildung im Drogeriemarkt, wo sie jetzt schon jobbt. Franziska, mit 16 ausgezogen, nutzt sozialpädagogisches Jugendwohnen für ihren Berufswunsch als Fremdsprachenkorrespondentin und betont das Vorbild ihrer Betreuerin. Üveys, der eine sozialpädagogische Unterstützung durch die Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) in Ingolstadt erhält, berichtet von persönlicher Veränderung durch diese Begleitung. Der gemeinsame Nenner: Eine Person, die an sie glaubt, macht den entscheidenden Unterschied.
Festes Fundament
Clemens Bieber, Vorsitzender des Caritasverbandes der Diözese Würzburg, forderte, jungen Menschen ein festes Fundament zu geben, damit sie ihr Leben eigenständig bewältigen können. Stefan Beil, Leiter der Agentur für Arbeit Würzburg, betonte die Notwendigkeit, mit allen Beteiligten zu sprechen, um Lösungen zu finden. Die Dialoggruppen brachten eine Reihe von Wünschen auf den Tisch: Umsetzung der Sozialreform-Vorschläge, Vernetzung regionaler Angebote, zentrales Übergangsmanagement, Stärkung der Mobilität sowie eine bessere finanzielle Ausstattung im sozialpädagogischen Wohnen und zentrale Ansprechpartner für schulische Übergänge.
Die Forderungen an politische und verwaltungsseitige Akteure betonten zentrale Ansprechpersonen an jeder Schule, da JaS bisher nur an etwa einem Drittel der bayerischen Schulen vertreten ist. Eine engere Kooperation zwischen JaS und Lehrkräften, sowie stabile Finanzierung seien nötig. Schnittstellen zwischen Kultus- und Sozialministerium müssten besser vernetzt werden. Mobilität für Jugendliche müsse stärker gefördert werden, etwa durch einen vorgezogenen Führerschein oder Arbeitgeber-Beteiligung an Mobilitätslösungen wie E-Bikes für Auszubildende.
Zentrale Ansprechpersonen
Die vier Jugendlichen resümierten: Sie fühlen sich ernst genommen; Lernwerkstatt und JaS geben ihnen Mitspracherechte und Chancen. Simal hob die Bedeutung offener Gespräche über Missstände hervor, Jasmin betonte den Wert des offenen Unterstützungsnetzwerks, Franziska attestierte dem Dialog konkrete Veränderungen, Üveys zeigte sich dankbar für die persönliche Transformation.
Fazit: Der 15. Dialogtag der KJS Bayern endete mit dem Konsens, dass Brückenbau und Stimmenstärkung gelingen, wenn zentrale Ansprechpersonen an Schulen geschaffen, Kooperationen gestärkt, Prävention in Familien verankert und die Mobilität junger Menschen aktiv gefördert wird. Der Blick geht über die Landesgrenzen hinaus: Eine verlässliche, vernetzte Jugendsozialarbeit bleibt entscheidend, um benachteiligte Jugendliche nachhaltig in Bildung, Ausbildung und eigenständiges Leben zu führen.
Sabine Ludwig | DiCV Würzburg
