In der Jugendhilfe ist kein Tag wie der andere – diese Erkenntnis prägte den gesamten Austausch. Die Caritas verfügt über eine breite Palette an Einrichtungen mit unterschiedlichsten Konzepten, was sowohl eine Chance als auch eine Herausforderung für die angehenden Fachkräfte darstellt. „Wir werben um Sie als Berufspraktikanten und sind auf die Zusammenarbeit angewiesen“, unterstrich Dr. Norbert Beck während der Veranstaltung. Ziel dieser Treffen ist es, für die Praktikant:innen den Blick auf die gesamte Landschaft der Jugendhilfe zu weiten und neben der eigenen Tätigkeit auch andere Einrichtungen und Arbeitsweisen kennenzulernen.
Neben dem gegenseitigen Kennenlernen stand die Reflexion der individuellen Einsatzorte im Vordergrund. Dabei zeigte sich eine beeindruckende Vielfalt in Bezug auf Einrichtungsstrukturen und Zielgruppen. Ein Beispiel für diese Diversität war ein Berufspraktikant aus Baden-Württemberg, der eine spezialisierte Heimerzieherausbildung absolviert hat und somit einen anderen fachlichen Hintergrund in die Runde einbrachte.
Herausforderungen in der theoretischen Ausbildung
Ein zentraler Diskussionspunkt war die Rückkoppelung zur theoretischen Ausbildung an der Fachakademie für Sozialpädagogik (FakS). Hier wurde kritisch angemerkt, dass die Lehrpläne häufig einen starken Schwerpunkt auf den Elementarbereich (Kindertagesstätten) legen. Dies führt dazu, dass die spezifischen Zielsetzungen und Anforderungen der Jugendhilfe oft aus den Augen verloren werden.
Die Praktikant:innen berichteten von einem Gefühl des „Schwimmens“, wenn im Unterricht fast ausschließlich Kleinkindpädagogik behandelt wird. „Der Austausch in der Klasse ist oft schwierig, wenn nur wenige Studierende in der Jugendhilfe tätig sind und der Rest im Elementarbereich arbeitet“, so der Tenor. Gewünscht wurde eine stärkere Gewichtung des Lernfelds Jugendhilfe, beispielsweise durch eine handlungsorientierte Umsetzung theoretischer Inhalte und eine bessere Vorbereitung auf herausfordernde Situationen im pädagogischen Alltag.
Die Rolle der Anleitung: Mehr als nur Fachwissen
Im Dialog wurde auch die Doppelfunktion der Berufspraktikant:innen als Lernende einerseits und als vollwertige Teammitglieder andererseits thematisiert. Hierbei kommt den Praxisanleitungen eine Schlüsselrolle zu. Sie fungieren nicht nur als Wissensvermittler, sondern vor allem als Begleiterinnen im Berufsalltag, Impulsgeberinnen für Reflexion, Garanten für Sicherheit in schwierigen Situationen und als Motivatoren und Ansprechpartnerinnen für alle offenen Fragen. Die Anleiterinnen nutzten das Treffen zudem, um ihre eigenen Wünsche an die inhaltliche Ausbildung zu formulieren, insbesondere im Hinblick darauf, wie der Praxisbezug bereits während der Ausbildung gestärkt werden kann.
Ausblick: Brücken schlagen
Hilfreich für die Vorbereitung auf das Berufspraktikum wurde die Zeit der sozialpädagogischen Praxis bewertet. Dennoch bleibt der Wunsch nach „brückenschlagenden Projekten“, die den Transfer zwischen Fachakademie und Jugendhilfe-Praxis erleichtern. Das Treffen in Grafenrheinfeld hat erneut verdeutlicht, dass der direkte Austausch zwischen den Trägern, den Einrichtungen und dem Nachwuchs elementar wichtig ist, um die Jugendhilfe als attraktives und fachlich fundiertes Arbeitsfeld langfristig zu stärken.
Sabrina Göpfert

